Denkmal - Ehemaliger Pfarrhof zu Leulitz

Noch vor drei Jahren fristete das Pfarrhaus zu Leulitz ein stieftöchterliches Dasein. Sein wunderschöner Antlitz war verborgen unter einer dicken Schicht aus Zementputz und seine Augen waren tief, hohl und teilweise sogar blind, weil die Fenster keine Teilung mehr hatten oder gänzlich fehlten. Die Haut war rissig und man konnte dem Haus ansehen, dass es nicht glücklich ist. Dem Nebengebäude, dem kleinen Bruder geht es noch schlechter. Das Dach besteht aus einem ungesunden Provisorium und die Haut ist an vielen Stellen aufgerissen. Die Augen sind eingefallen und viele, auch Leute vom Fach haben diesen Patienten bereits aufgegeben.

Aber es gibt Hoffnung für beide! Hella Michalsky und Karsten Schmidt wollen sich und den Pfarrhof glücklich machen. Mit der Sanierung, die schon im vollen Gange ist, werden die Bausünden der letzten Jahrzehnte beseitigt und der ursprüngliche Zustand nach den alten Bauplänen nahezu wieder hergestellt. Damit wird allen Beteiligten geholfen, denn die beiden Bauherren erfüllen sich einen Traum und die Gebäude werden in 53 Jahren ihren 300. Geburtstag feiern können.

Die beiden engagierten Neu-Leulitzer freuen sich über die gefundenen Schätze des Hauses. Sie werden in keiner Vitrine Platz haben, denn die Kostbarkeiten wie das Fachwerk aus Eiche, das doppelte Kreuzgewölbe im Esszimmer, die Eichenholzbalkendecke mit Deckern und Kriechern in der Küche, das Tonnengewölbe im ehemaligen Milch- und Bierkeller, die historischen Fußbodenfliesen, die Lehmwickeldecke in der Diele und der große liegende Dachstuhl werden täglich zu bewundern sein; Einfach beim Wohnen.

Die Sanierung geht nun schon ins 4. Jahr und in dieser Zeit gab es einige Überraschungen, die nicht immer Grund zum Jubeln waren. Insgesamt wurden bisher über 100 Tonnen Schutt abgefahren und bei jedem Bauteil musste eine eigene Sanierungslösung erarbeitet werden, weil die Standardrezepte nicht anwendbar sind. Im Zusammenhang mit der Reparatur des Fachwerkes wurden alle Gefache ausgeräumt und es blieb ein großes Gerippe übrig. Als das Dach an der Reihe war und die Ziegel abgedeckt wurden, war mit hoher Wahrscheinlichkeit der Nullpunkt erreicht . Es war kaum noch etwas da, was zurückgebaut werden konnte.

In Sachen der Motivation ging es von da an erst richtig los. Die beiden Bauherren freuten sich nach der langen Phase des "Kaputtmachens" auf das Aufbauen. Der Ofensetzer errichtete in der Küche einen urgemütlichen Grundofen, die Zimmerleute verbauten 5 Kubikmeter Eichenholz in traditioneller Bauweise mit Zapfen und Holznägeln und der Fensterbauer lieferte 36 Fenster und 3 Türen, die nach Bedarf eingebaut wurden. Das fertiggestellte Dach mit seinen 6 Schleppgaupen und den naturroten Biberschwänzen spiegelt den Plan des Architekten des Hauses aus dem Jahre 1750 wider. Dabei hat der Zimmermann die Proportionen sehr gut getroffen, obwohl ihm als Vorlage nur eine Zeichnung ohne Maße aus der Entstehungszeit zur Verfügung stand. Den Außenputz brachte ein den alten Bautraditionen verbundener Handwerksbetrieb aus der Umgebung auf. Dabei wurden die mit einer Kork-Lehmschüttung gefüllten Gefache sorgfältig mit einem Kalkputz verputzt, wobei es besonders auf den Übergang vom Putz zum Holz ankam.
Auch im Inneren hat sich viel getan. Von der urigen Oberfläche und dem Farbspiel der Fußbodenplatten aus einem Brandenburger Ziegelwerk sind die Bauherren ebenso begeistert wie von der sehr individuell gestalteten Küche und den vom Tischler gefertigten Innentüren und dem Wandschrank.

Auch wenn auf dieser Baustelle weitere Kapitel in dem Buch "Das Kreuz mit den Handwerkern" geschrieben wurden, geht es mit kleinen Schritten weiter voran. Einige der Ziele bis zum Jahr 2003 wurden nicht erreicht, doch dafür stimmt immer noch die Richtung. Auch unter Termindruck und bei Wetterkapriolen gibt es keine Schnellschüsse, sondern es wird großer Wert auf stilgerechtes Bauen und bauphysikalisch durchdachte Lösungen gelegt. Wenn auch nicht kurzfristig, aber in 25 Jahren wird sich diese Sorgfalt auszahlen.

Nachdem die 5 Zimmer im Erdgeschoss fertiggestellt waren, wurde im Februar 2003 der Einzug gefeiert. Ob das auch das Bergfest ist, da sind sich die Bauherren nicht so sicher, denn die kommenden Aufgaben sind nicht ohne. Neben dem Innenausbau im Ober- und Dachgeschoss warten das Seitengebäude und der Keller auf ihre Sanierung. Anschließend sollen auch der Hof und der Garten eine grundlegende Veränderung erfahren. Zunehmend schwieriger wird die Realisierung bei einem zur Neige gehendem Geldtopf und der ungewissen Unterstützung durch die Ämter. Da aber viele Sachen mit der Hände Arbeit vollbracht werden können, wird die Bautätigkeit im ehemaligen Pfarrgut zu Leulitz so bald nicht zu Ende gehen.

Bei allen Helfern und Besuchern des Pfarrhauses möchten sich Hella Michalsky und Karsten Schmidt ganz herzlich für die Unterstützung, die lieben Wünsche und die Anteilnahme bedanken. Wir haben uns über das oft spontane Eintreten gefreut und begrüßen das auch in Zukunft. Den Bauherren ist es nicht unangenehm, wenn die Umwelt die Veränderung des alten Hauses wahrnimmt.

Das Ziel ist für 2006 angepeilt. Dann wird der fertige Pfarrhof zu Leulitz seine Bewohner und seine Gäste in eine längst vergangene Zeit entführen.

August 2003

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